Politische und rechtliche Rahmenbedingungen

Die Europäische Union hat sich verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 20 bzw. 30 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Ein wichtiger Baustein dabei ist der Ersatz der fossilen Energieträger durch Erneuerbare Energien (EE).

Daher lautet das Ziel der Bundesregierung „Den Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromversorgung bis zum Jahr 2020 auf mindestens 30 Prozent zu erhöhen“. Ende 2009 stammten bereits 16 Prozent des deutschen Stroms aus regenerativen Quellen. Die Basis für diese Erfolgsgeschichte ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Das belegen unter anderem die Zahlen aus der Biogas-Branche: Bis zum Inkraft-Treten des Gesetzes im Jahr 2000 standen in Deutschland gut 1.000 Biogasanlagen mit einer Gesamtleistung von 65 Megawatt (MW). Heute erzeugen mehr als 4.900 Anlagen mit einer Leistung von über 1.800 MW rund zwölf Mrd. kWh Biogasstrom im Jahr.

Entscheidende Faktoren dieses Gesetzes, das mittlerweile 46 Länder der Welt kopiert haben, sind die gesicherte Einspeisevergütung über 20 Jahre, die Pflicht des Stromnetzbetreibers zum vorrangigen Anschluss von EE-Anlagen und der Vorrang der Einspeisung Erneuerbarer Energien vor den Fossilen.

In Deutschland erlebte die Biogas-Branche mit der Einführung des Bonus für die ausschließliche Verwendung von Nachwachsenden Rohstoffen (NawaRo-Bonus) im EEG 2004 einen Boom: Seit die Vergärung von Energiepflanzen (NawaRo`s) in Biogasanlagen mit zusätzlichen sechs bzw. sieben Cent (EEG 2009) je Kilowattstunde vergütet wird, lohnt sich der Anbau für den Biogasanlagen-Betreiber. Energiepflanzen stellen in Deutschland das mit Abstand größte Potenzial für die Biogaserzeugung.

Die Verwertung der bei der Stromerzeugung im Blockheizkraftwerk (BHKW) anfallenden Abwärme wird über das EEG seit der ersten Gesetzesnovelle im Jahr 2004 angereizt: sinnvolle Wärmenutzungskonzepte erhalten den so genannten KWK-Bonus für die Kraft-Wärme-Kopplung (gleichzeitige Nutzung von Strom und Wärme) in Höhe von zwei bzw. drei Cent. Seitdem gehen in Deutschland kaum noch Anlagen ohne sinnvolles Wärmekonzept in Betrieb.

Ähnlich erfolgreich startete der zur EEG-Novelle 2009 eingeführte Gülle-Bonus, der bei der Vergärung von mindestens 30 Prozent Gülle in der Biogasanlage gezahlt wird. In Deutschland wird bislang noch weniger als ein Viertel der in den Ställen anfallenden Gülle energetisch verwertet. Aufgrund des Güllebonus stieg die Zahl der kleinen an die landwirtschaftlichen Viehhaltungsbetriebe angepassten Biogasanlagen im Jahr 2009 stark an und damit auch die besonders klimaeffiziente Güllenutzung.

Parallel zur Quantität stieg auch die Qualität: strikte gesetzliche Genehmigungsaufl agen, strenge Sicher heitsregeln und hohe Umweltaufl agen garantieren sichere, standortangepasste, effiziente und nachhaltige Biogasanlagen. Ende 2006 ging in Pliening bei München die erste Biogas-Einspeiseanlage ans Netz, die das zu Biomethan aufbereitete Biogas direkt ins Erdgasnetz einspeist. Seither sind 33 Anlagen diesem Beispiel gefolgt. Insgesamt strömen derzeit rund 180 Millionen Normkubikmeter Biomethan durch das deutsche Erdgasnetz – im Jahr 2020 sollen es nach den Zielen der Bundesregierung sechs Milliarden sein.

Hierfür braucht es ein Erneuerbares-Gas-Einspeisegesetz (EGE) ähnlich dem EEG 2004, das die Vergütung von Biomethan auf vergleichbare Weise regelt. Dann stünde Biogas sowohl zur Direktverstromung mit Wärmenutzung vor Ort als auch zur KWK-Nutzung an beliebiger Stelle, als Erdgas-Ersatz und als Kraftstoff für Erdgasfahrzeuge zur Verfügung.

Ziele und Perspektiven

Unter den entsprechenden Rahmenbedingungen kann nach Einschätzung des Fachverbandes Biogas die Stromproduktion aus Biogasanlagen bis zum Jahr 2020 auf rund 30 Mrd. kWh ausgeweitet werden. Zusätzlich hierzu ist die Einspeisung von jährlich sechs Mrd. m³ Biomethan in das deutsche Gasnetz möglich. Dieses Biomethan stünde nach der Durchleitung durch das Gasnetz dann für alle Verwertungspfade zur Verfügung (Strom, Wärme, Kraftstoffe, stoffliche Nutzung).

Relevante Rechtsbestimmungen beim Bau einer Biogasanlage

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