Fakten statt Vorurteile

Pachtmärkte und -preise

Die EEG-Vergütungen bei Biogasanlagen sind festgeschriebene Entgelte für die Einspeisung von Strom. Die Vergütungshöhe wird in regelmäßigen Abständen auf seine Marktbezogenheit und auf die realen Produktionskosten der Substrate überprüft. Auch Biogasanlagenbetreiber sind bei stetig steigenden technischen Anforderungen an die Biogasanlagen und den daraus resultierenden steigenden Anlagenkosten auf preiswerte Substrate angewiesen. In Regionen mit hohen Pachtpreisen war auch ohne Biogas schon ein höheres Preisniveau vorhanden.

Nach den Erkenntnissen des Fachverbandes Biogas werden von erfahrenen Betreibern keine überdurchschnittlichen Pachtpreise gezahlt. In vielen Fällen wird die Diskussion durch die Verpächter der Flächen angetrieben, zum Nachteil
der restlichen Landwirtschaft. Dass die allgemeinen Agrarpreise extremen Preisschwankungen unterliegen, ist nicht auf Biogas zurückzuführen.

Neben der Flächenpacht können Biogasanlagenbetreiber Biomasse verstärkt über Lieferverträge von anderen Landwirten beziehen. In jedem Fall sollten Biogasanlagen standortangepasst dimensioniert werden, um zu große Abhängigkeiten vom Substratmarkt zu verhindern. Auch Gemeinschaftsbiogasanlagen, die über eine entsprechende Substratausstattung verfügen, sind ein probates Mittel für größere Unabhängigkeit und weniger Folgen für den Pachtmarkt.

Der Strompreis

Die Vergütung für Strom aus Erneuerbaren Energien wird über ein EEG-Umlageverfahren auf den allgemeinen Strompreis und damit verursachergerecht auf den Verbraucher übertragen. Die Umlage ergibt sich aus der Differenz zwischen der fixen Vergütung für regenerativen Strom (EEG) und dem an der Börse gehandelten Erlös für die Kilowattstunde Strom.

Biogas StrompreiseJe niedriger der Strompreis an der Strombörse, desto höher die Umlage. Eine höhere Umlage muss daher nicht automatisch Strompreiserhöhungen nach sich ziehen, wenn auf der anderen Seite die Börsenpreise sinken. Von 2008 auf 2009 sind die Einkaufspreise für Strom um 2,7 Cent pro Kilowattstunde gefallen. Diese Kostensenkungen haben die Energieversorger jedoch nicht an ihre Kunden weitergeleitet. Nicht zu vergessen die externen Kosten, die die Erneuerbaren Energien und mit ihnen Biogas vermeiden. Durch die Einsparung von 71 Mio. t CO2 konnten im Jahr 2009 rund fünf Milliarden Euro Klima- und Umweltschäden eingespart werden.

Geruch und Geräusche

Durch die Vergärungsprozesse im Fermenter verringert sich die Geruchsintensität bei der Ausbringung von Gülle und Mist erheblich. Geruchsemissionen aus Biogasanlagen können nur dann auftreten, wenn die Biomasse vor oder nach dem Prozess nicht sachgerecht gelagert wird, der biologische Prozess aus dem Gleichgewicht kommt oder schlecht vergorenes Material auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht wird. Die korrekte Anlagenplanung und die kontrollierte Betriebsführung rücken deshalb immer mehr in den Vordergrund der Projektierung von Biogasanlagen. Die Lagerung der Biomasse hat nicht unmittelbar etwas mit Biogas zu tun, sondern ist eine Frage der optimierten Stofflogistik vor Ort.

Analog zu den Geruchsemissionen ist auch der Bereich der Lärmemissionen über entsprechende rechtliche Vorgaben ausreichend geregelt. Biogasanlagen müssen demnach die gesetzlichen Grenzwerte einhalten. Durch erfahrene Planer und die richtige Standortwahl, die Verwendung geräuscharmer Komponenten (zum Beispiel schallisolierte BHKW-Räume oder Antriebe) und Schallschutzmaßnahmen (Erdwall, Einhausung, Gebäudeanordnung, etc.) lassen sich Probleme frühzeitig vermeiden.

Verkehrsaufkommen

Biogasanlagen erfordern eine gewisse Logistik, um die Biomasse an die Anlagen zu transportieren und die Gärprodukte auf die landwirtschaftlichen Flächen auszubringen. Dieses Verkehrsaufkommen ist mit der klassischen Landwirtschaft vergleichbar und wird deshalb mit Biogasanlagen nicht erhöht: Die Anbauflächen würden auch ohne Biogasanlage bewirtschaftet werden und die Gülle fällt in der Viehhaltung ohnehin an. Entsprechend der aktuell verfügbaren Transporttechnik lässt sich der Lieferverkehr mehr und mehr auf wenige Fahrten und kleine Zeitfenster reduzieren.

Eine dauerhafte Belastung aufgrund ineffizienter Transportlogistik ist somit nicht mehr notwendig. Frühzeitig mit der Planung der Anlage sollte ein Logistikkonzept (Anfahrt, Umgehungen, etc.) abgestimmt werden. Betreiber und Anwohner sollten sich über maximale Lenkzeiten in den Nächten, angepasste Geschwindigkeiten und andere freiwillige Maßnahmen zur Reduzierung des Verkehrs abstimmen. Das vermeidet potenzielle Verkehrsbelastungen schon in der Planungsphase und schafft Vertrauen und Akzeptanz bei der Bevölkerung.

Farbe ins Feld

In Anbetracht der begrenzt zur Verfügung stehenden Anbauflächen von Energiepflanzen werden effiziente  Anbausysteme bevorzugt. Da derzeit der Mais die höchsten Biomasseerträge mit gleichzeitig hoher Nährstoff- und Wassereffizienz verbindet, findet eine verstärkte Nutzung dieser Pflanze auch im Bereich Biogas statt. Die Pflanzenzüchtung arbeitet mit Hochdruck an weiteren Pflanzensorten und Anbausystemen wie beispielsweise dem Zweikulturnutzungssystem, dem Mischanbau und der Untersaaten.

Je nach Boden, Klima und Agrarstruktur stehen teilweise gleichwertige Alternativen zur Verfügung: Rüben, Getreide, Ackergräser und ähnliches. Auf Initiative des Fachverbandes Biogas werden Programme zur Erhöhung der Artenvielfalt wie Blühstreifen und Lerchenfenster weiter vorangetrieben und wirkungsvoll in die Praxis umgesetzt. Unter der Überschrift „Farbe ins Feld“ will der Fachverband und seine Mitglieder damit sowohl zur optischen Auflockerung des  Landschaftsbildes als auch zum Erhalt der heimischen Tierwelt beitragen.

Teller und Tank

Aktuell werden in Deutschland rund 600.000 der insgesamt 17 Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche für Biogas genutzt. Realistische Prognosen und Untersuchungen gehen von einer potenziell nutzbaren Fläche von drei bis vier Millionen Hektar aus – ohne die Lebensmittelherstellung zu gefährden. In Zeiten ruinöser Agrarpreise und Überkapazitäten am Lebensmittelmarkt sorgt die Flächennutzung zu energetischen Zwecken für eine Preisstabilisierung in der Landwirtschaft. Damit ist eine gleichzeitige Nutzung der Fläche für Teller und Tank nicht nur problemlos möglich – sie ermöglicht den landwirtschaftlichen Betrieben langfristig eine sichere Existenz und realistische Agrarpreise.

Anlagensicherheit

Biogasanlagen werden nach geltenden gesetzlichen Grundlagen gebaut und betrieben. Zudem werden sie in regelmäßigen Abständen gewartet und Instand gesetzt. Erst nach erfolgter Prüfung durch eine befähigte Person oder eine zentrale Genehmigungsbehörde geht eine Biogasanlage in Betrieb. Bei der Prüfung wird der ordnungsgemäße Zustand der Biogasanlage unter anderem hinsichtlich Montage, Installation und Aufstellungsbedingungen geprüft.

Werden diese gesetzlichen Rahmenbedingungen umgesetzt, besteht bei einer Biogasanlage keine Verpuffungs- beziehungsweise Explosionsgefahr. Da eine Biogasanlage aufgrund der Verfahrensweise ein geschlossenes System darstellt, ist die Bildung eines explosionsfähigen Gemisches im Normalbetrieb unwahrscheinlich und bei richtiger Umsetzung des gesetzlichen Rahmens nahezu auszuschließen.

Energiebilanz

Biogasanlagen weisen eine eindeutig positive Energiebilanz auf. Von einem Hektar Energiepflanzen können vier bis sechs mal so viele fossile Energieeinheiten ersetzt werden wie beim Anbau der Biomasse und bei der  Biogaserzeugung verbraucht werden. Kommen Abfall- und Reststoffe zum Einsatz, verbessert sich diese Bilanz noch weiter.

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